Kooperation + Konzept

Kooperation

Die AWO und der VAKS verfügen über eine langjährige Erfahrung in der Flüchtlingsarbeit.

Die so gewonnene fachliche Kompetenz in asyl- und sozialrechtlichen Fragen sowie organisatorische Professionalität bietet uns eine solide Arbeitsgrundlage: sowohl konsiliarisch im Einzelfall, als auch systematisch in Form regelmäßiger Fortbildungen und Supervisionen.

Der AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe und der Verein für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. stehen mit ihrem gesellschaftlichen Engagement für Solidarität, Freiheit, Toleranz und Gerechtigkeit.

In dieser guten Tradition arbeitet das PSZ Siegen mit traumatisierten und psychisch beeinträchtigten Flüchtlingen und geflüchteten Menschen, die Opfer von Krieg, Folter, sexueller Gewalt sowie sonstiger Demütigung und Misshandlung geworden sind.

Konzept

Stand: 28.02.2018

Ausgangslage

Das psychosoziale Zentrum ist eine Träger-Kooperation zwischen dem Verein für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. (VAKS) und dem AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe und im August 2016 in Siegen eröffnet worden.

Für die Stellenbesetzung und die Tätigkeiten liegt die Fachkonzeption der LAG FW des Landes NRW zugrunde.

Das PSZ Siegen ist eine Beratungs- und Therapieeinrichtung für traumatisierte und psychisch belastete Flüchtlinge, deren Arbeit sich nach den Richtlinien des Landes-programms „soziale Beratung von Flüchtlingen“ in NRW richtet. Es wird gefördert durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Zielgruppe

Das Angebot richtet sich an traumatisierte Flüchtlinge mit gesichertem und ungesi-chertem Aufenthalt aller Altersgruppen. Diese Menschen sind betroffen von schweren Menschenrechtsverletzungen. In erster Linie betrifft dies schwer traumatisierte Flüchtlinge aus Kriegs- und Bürgerkriegsgebieten, Opfer staatlich organisierter Gewalt und Folter sowie Flüchtlinge, die in Deutschland Opfer von rassistisch motivier-ter Gewalt wurden. Auch spezifische Migrations- und Entwurzelungsfaktoren können die Lebenssituation der Flüchtlinge zusätzlich beeinträchtigen.

Das psychosoziale Zentrum ist auch Ansprechpartner für Fachkräfte und Ehrenamt-ler*innen sowie allen in der Flüchtlingsarbeit tätigen Kräften, die Schulung, Beratung oder Supervision in Anspruch nehmen möchten. Wir bieten 2x jährlich eine Weiterbil-dung für Interessierte in der Arbeit mit traumatisierten geflüchteten Menschen in un-serem PSZ an.

Die Öffentlichkeit wird durch eine regelmäßige PR über die Arbeit des PSZ erreicht. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit wie Internetauftritt, Pressebeiträge und Veranstaltungen bei Netzwerkpartnern wird das Bewusstsein für den besonderen Bedarf der Versorgung traumatisierter Flüchtlinge gefördert. Die stärkere Sensibilisierung fördert das gegenseitige Verständnis und unterstützt einen gelingenden Integrationsprozess.

Ziele / Aufgaben

Ziel der Arbeit des psychosozialen Zentrums ist die bedarfsgerechte psychosoziale Gesundheitsversorgung traumatisierter Flüchtlinge. Das PSZ möchte vor allem den Menschen Unterstützung anbieten, die von schweren Menschenrechtsverletzungen betroffen sind. Therapeutische Hilfen werden innerhalb des Zentrums angeboten, um den hilfesuchenden Menschen überlebenswichtige Unterstützung zur Behandlung ihrer Krankheit und in Bezug auf ihre asyl- und aufenthaltsrechtlichen Verfahren zu ermöglichen. In jedem Einzelfall wird die Vermittlung in eine wohnortnahe Regelfall-versorgung geprüft und angestrebt.

Grundlage der Arbeit ist eine Haltung, die die Menschlichkeit in unserer Gesellschaft wahrt und zur Sicherung der Menschenwürde beiträgt.

Folgende Aufgaben stehen im Fokus des Psychosozialen Zentrums:

  • Beratung, Begleitung und Hilfe zur sozialen Integration
  • Psychologische Beratung/Psychotherapie mit Schwerpunkten bei:
    • Anamnese, Diagnostik und verschiedene Formen der Therapie und Psychoedukation
    • Krisenintervention zur emotionalen Stabilisierung
    • Begutachtung in Form von Stellungnahmen im Asylverfahren
    • Koordination von Helfersystemen, Helferkonferenzen usw.
    • Vermittlung bzw. Sicherstellung einer medizinischen Versorgung, ins-besondere Weiterleitung (und ggf. Begleitung) der Klienten an Fachärzte, psychiatrische Kliniken etc.
  • Entwicklung präventiver Gesundheitsangebote für Flüchtlinge; Informationen zum medizinischen Versorgungssystem
  • Kooperation mit Gesundheitsbehörden, Kliniken und Ärzten, sozialpsychiatrischen Diensten usw.
  • Fortbildungsangebote zu kulturspezifischen, ausländerrechtlichen und traumabezogenen Fragestellungen
  • Gruppen- und Projektarbeit
  • Multiplikatoren- und Netzwerkarbeit
  • Aufbau bzw. Anregung von ergänzenden Angebotsstrukturen
  • Öffentlichkeits- und Gremienarbeit
  • Dokumentation, Evaluation, Forschung, Publikation

Das Angebot ist für die Ratsuchenden kostenfrei.

Personelle Besetzung

Das Psychosoziale Zentrum in Siegen verfügt über 2,5 Stellen psychologisch-therapeutisches Fachpersonal (1,0+1,0+0,5), welches über den AWO Kreisverband Siegen-Wittgenstein/Olpe beschäftigt wird.

Das pädagogische Fachpersonal umfasst 1 Vollzeitstelle (0,5+0,5) und wird über den Verein für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. (VAKS) beschäftigt.

Das Team des PSZ Siegen ist interkulturell qualifiziert und verfügt über traumathera-peutische Zusatzqualifikationen.

Alle Mitarbeiter*innen unterliegen der Schweigepflicht.

Die Leitung der Einrichtung im dienstrechtlichen und fachaufsichtsrechtlichen Sinne obliegt dem Geschäftsführer des Vereins für Soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. (VAKS) und dem Abteilungsleiter Bürgerdienste des AWO Kreisverbands Sie-gen-Wittgenstein/Olpe.

Räumliche Verortung / Ausstattung

Das PSZ ist für Geflüchtete aus dem südwestfälischen Raum des Bundeslandes NRW zuständig.

Die Räumlichkeiten des PSZ in der Sandstraße 28 in 57072 Siegen sind vom Haupt-bahnhof in Siegen zentral fußläufig bestens erreichbar. Die Einrichtung ist dadurch optimal an den Nahverkehr angeschlossen, so dass auch Klient*innen, die sehr de-zentral wohnen und lange Anreisezeiten haben, die Einrichtung gut erreichen.

Das PSZ befindet sich im 4. Stock eines Stadtgebäudes. Ein Aufzug bietet auch schwerbehinderten Klient*innen ein leichtes Aufsuchen der Einrichtung. Das PSZ Siegen verfügt über 5 Büro- und Beratungsräume, einen Gruppenraum, ein Warte-zimmer sowie einer Teeküche.

Im Gebäude selbst finden sich unterschiedliche migrationsspezifische Angebote des VAKS, die den Klient*innen einen schnellen Zugang zu unterstützenden fachlichen Beratungsangeboten sichern. In gleicher Etage findet sich ein Migrationsfrauenprojekt für traumatisierte Klient*innen.

Einsatz von Sprach- und Kulturmittler*innen

Für die Beratung und Therapie der Klient*innen werden eigens geschulte Sprach- und Kulturmittler*innen für ein kompetentes Dolmetschen eingesetzt. Diese werden durch das Personal speziell auf die Erfordernisse und Bedarfe der besonders sensiblen Begleitung traumatisierter Klient*innen vorbereitet. Die Aufgabe der Sprach- und Kulturmittler*innen besteht zum Einen in der wortnahen Übersetzung der Sprache und zum Anderen in der Vermittlung soziokultureller Fragen wie zum Beispiel kultur-spezifische Regeln, Geschlechterrollen, Umgang mit Krankheiten, Tabus und Scham etc..

Während der Begleitung von Klient*innen durch Sprachmittler*innen halten diese den klar definierten Zuständigkeitsbereich der Sprachmittlung ein. Hierfür wird eine Vereinbarung getroffen. Private Kontakte von Sprachmittler*innen mit Klient*innen sowie der Austausch oder die Weitergabe von privaten Kontaktdaten sind nicht erwünscht. Sprachmittler*innen unterliegen ebenso wie das pädagogisch-therapeutische Personal der Schweigepflicht.

Qualitätssicherung

Qualitätssicherung ist Standard unserer Arbeit und wird wie folgt umgesetzt:

  1. Dokumentation
    Der Verlauf der Betreuung wird regelmäßig von den behandelnden Mitarbei-ter*innen dokumentiert.
    Jährlich wird in einem Bericht die Arbeit des PSZ Siegen nach den Leitlinien der Bundesarbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge und Folteropfer dokumentiert.
    Jährlich wird mit dem Verwendungsnachweis ein Sachbericht erstellt gemäß der Vorgaben des Landes NRW.
  2. Teamsitzungen
    Die Mitarbeiter*innen des Psychosozialen Zentrums treffen sich im Gesamtteam, in der Regel 1 x pro Woche zu einer Teamsitzung.
    In regelmäßigen Abständen finden jeweils Kleinteamsitzungen des psychothera-peutischen Team und des Sozialteam statt. Fallbesprechungen sind fester Be-standteil der regelmäßigen Treffen.
  3. Supervision/Intervision
    Jede Mitarbeiter*in nimmt regelmäßig an Gruppen bzw. Einzelsupervisionen teil um die eigene Arbeit zu reflektieren. Supervision stärkt die Mitarbeiter*innen in ihren fachspezifischen Kompetenzen.
    In regelmäßigen, den Erfordernissen angepassten Abständen nutzt das Team zur Entlastung und Reflektion der eigenen Arbeit die vorhandenen Kompetenzen in Intervisionssitzungen.
  4. Arbeitskreise und Fachgremien
    Mitarbeit in verschiedenen regionalen wie überregionalen Gremien und Arbeits-kreisen dienen der fachlichen Weiterqualifizierung sowie dem Austausch untereinander und der Vernetzung unterschiedlicher Institutionen.Das PSZ Siegen ist aktiv in folgenden Gremien und Arbeitskreisen vernetzt:
    „Trauma und Asyl in NRW“
    überregionales Netzwerk der psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer
    „Traumanetzwerk Siegen-Olpe“
    regionales (Trauma)Therapeuten und Beratungsnetzwerk
    „Arbeitskreis der Beratungsstellen“
    Beratungsstellen im Kreis Siegen Wittgenstein
    „Runder Tisch gegen Gewalt“
    regionales Netzwerk gegen häusliche Gewalt im Kreis Siegen-Wittgenstein
    „PSAG“
    Psychosoziale Arbeitsgemeinschaft
  5. Fortbildung
    Regelmäßige externe sowie interne Schulungen wie auch Fort- und Weiterbildungen werden von allen Mitarbeiter*innen wahrgenommen und sichern eine ständige Weiterentwicklung ihrer fachlichen Kompetenzen.
  6. Konzeptionsarbeit
    Das PSZ Siegen startete mit seinen Aufgaben im August 2016. Die kontinuierli-che Weiterentwicklung der Konzeption durch die Mitarbeiter*innen der Einrichtung ist daher fester Bestandteil unserer Arbeit. Erworbene Erfahrungen werden regelmäßig evaluiert, in Klausurtagungen reflektiert und die Arbeit den Erfordernissen angepasst.